Bislang werden Versicherte immer noch deutlich benachteiligt, wenn eine abgeschlossene Lebensversicherung vorzeitig gekündigt wird. Es fallen hohe Abschläge an, Boni werden gestrichen und oftmals erhalten die Versicherten nur einen Bruchteil der eingezahlten Beträge wieder zurück. In einem aktuellen Urteil des Hamburger Oberlandesgericht (OLG) werden Verbraucher nun erneut gestärkt. Die Richter kamen zu der richtungsweisenden Entscheidung, dass mehrere Vertragsklauseln zur vorzeitigen Kündigung von Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen ungültig sind. Entsprechende Klauseln verwenden nahezu alle Versicherungen, weshalb nun zahlreiche Verbraucher auf rückwirkende Erstattungen hoffen können.

Die Verbraucherzentrale Hamburg schätzt die Anzahl der betroffenen Versicherten, die ihre Verträge vorzeitig gekündigt haben auf 24 Millionen. Betroffen ist dabei der Zeitraum von Herbst 2001 bis Ende 2007. Wer in dieser Zeit eine Lebensversicherung abgeschlossen und vorzeitig gekündigt hat, kann auf eine Rückzahlung hoffen. Zumindest besteht nach dem Urteil des Hamburger OLG der Anspruch, den die Versicherten dann nötigenfalls gegenüber der damaligen Versicherung gelten machen müssen. Das OLG-Urteil ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig. Es unterstreicht jedoch eine vorangegangene Entscheidung des Landgerichts Hamburg vom November 2009.

Insbesondere zwei Punkte der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) wurden von den Richtern kritisiert, da diese die Grundlage der Versicherungsverträge gewesen sind. Ein entscheidender Punkt ist, dass die Versicherten nicht transparent genug über die Höhe des zu erwartenden Rückkaufwerts nach einer Kündigung informiert worden sind. Zudem kamen die Richter zu dem Schluss, dass in der AVB deutlich gemacht werden müssen, der Stornoabzug durch Versicherungen ist nur möglich, „wenn dieser mit dem Versicherungsnehmer vereinbart wird und der Höhe nach angemessen ist“. Die Entscheidung der Richter ist für Verbraucher und Versicherungsnehmer wegweisend.